Die Geschichte des Adressbuch des internationalen Handels mit Naturdärmen

Was heute ein Portal für den Naturdarmhandel ist, fing vor über einhundert Jahren als „Adreßbuch der Darmhändler“ und in den 1920er Jahren einer internationalen „Darm-Zeitung“ an. Wir blicken zurück auf unsere Vorgänger.

1911 erscheint unserer Kenntnis nach die allererste Ausgabe eines Darmhandels-Adressbuchs mit internationalen Adressen. Bedenkt man, dass alle modernen Recherchemittel, die wir heute kennen, noch nicht existierten, ist das eine großartige Leistung.

Auf gerade einmal 72 Seiten plus Anzeigen und Register sind immerhin rund 1.800 Firmenadressen in 35 Ländern versammelt. Manchmal sind jedoch nur der Firmenname und der Ort bekannt. Ob der Postbote ohne nähere Angaben dann wusste, wie er „E. Ascher & Co“ in Hamburg,  Alexander Seeger im ägyptischen „Alexandrien“ oder Marc. Benedict im russischen Baku finden konnte, bleibt unbekannt.

Einige Adressen wie Schaub & Co., L.P. tho Seeth oder August Jungnickel in Hamburg oder van Hessen  in „Gröningen“ existieren noch heute oder waren bis vor wenigen Jahren noch aktiv.

Der damalige Herausgeber, Alfred Loewenberg, dürfte ein starkes Eigeninteresse an der Adresssammlung gehabt haben. Denn er war Maschinenfabrikant und Hersteller sogenannter „Patent-Fetthülsen“. Über Korrespondenten und Außendienstmitarbeiter als Gewährsleute dürfte er hauptsächlich an die Adressen gekommen sein.

1924 erscheint nach über einem Jahrzehnt Pause das Welt-Adressbuch des Darmhandels bei Carl Schmalfeldt in Berlin. Offenbar fand es reißenden Absatz. Denn drei Jahre später kommt es zu einer Neuauflage, „deren Vorarbeiten wiederum geraume Zeit in Anspruch nahmen.“ Gewährsleute und Darmhändler selbst sind die Quellen für den Verlag: „Die Sammlung des ausländischen Adressenmaterials war mit den größten Schwierigkeiten verbunden und es wird einer intensiven Weiterarbeit bedürfen, um dasselbe bis zur nächsten Auflage zu verbessern und zu vervollständigen.“

Der Verleger versteht es, für sein Adressbuch Anzeigen einzuwerben. Wer Rang und Namen hat, stellt sich hier mit großflächigen Anzeigen dar. So annonciert die „älteste Sortier-Anstalt der Welt“, Berthold Deutsch, stolz neben S. Oppenheimer, die ihr Gründungsjahr immerhin schon mit 1868 angeben. So traditionsbewusst Oppenheimer ist, so modern ist er auch. Als eines der wenigen Unternehmen verfügt er über eine Telegramm-Adresse und ist auch telefonisch erreichbar.

Eine Reihe von Firmennamen, die heute noch geläufig sind, finden sich bereits in der Ausgabe von 1927: In der Darmhandels-Hochburg Hamburg firmieren insgesamt 162 Unternehmen. Darunter befinden sich heute noch bekannte Namen wie Carl Lipmann & Co., Berthold W. Rolff, L.P. tho Seeth, Hermann C. G. Kröger oder van Hessen.

1975 erscheint nach fast 50 Jahren wieder ein Naturdarm-Adressbuch, das alle wichtigen, im internationalen Handel tätigen Unternehmen zusammenführen will. Der damalige Herausgeber steht allerdings vor ähnlichen Herausforderungen wie seine Vorgänger. Die Klage des Adressbuchverlegers, dass das Buch (Adress-)Lücken aufweist, ist verständlich. Denn die Recherchemöglichkeiten sind nach wie vor sehr begrenzt.

Das Internet wie wir es heute kennen, noch nicht erfunden.Auch der Faxdienst wurde erst 1979 offiziell von der Deutschen Bundespost eingeführt. So waren Telefon, Fernschreiber und vor allem Briefpost die Möglichkeiten, Informationen über Naturdarmhändler einzuholen.

Persönliche Kontakte zu Händlern und Verbänden stellten offenbar die Basis für das Nachschlagewerk dar, das in seiner ersten Nachkriegsausgabe mit viel Weißraum für Ergänzungen jeder Art erschien. Veränderte Adressen wurden eingetragen oder Visitenkarten eingeklebt, handschriftlich Kommentare zu Firmen verfasst. Aber immerhin umfasst die Adresssammlung rund 1.400 Firmen in 59 Ländern.

1987 übernimmt der Ulrike Lange Verlag die Herausgabe des Adressbuches und führt die Veröffentlichung bis 1995 fort. Behutsam wurden Neuerungen eingeführt, indem Adressen mit Zusatzinformationen angereichert wurden. Deutlich spürbar ist der Rückgang von Unternehmen. Die Tendenz zu weniger, aber größeren Firmen zeigt sich im Vergleich zu der letzten Bestandsaufnahme 1975.

Vorteilhaft für die Verlegerin ist, dass ihre Schwiegermutter im Naturdarmhandel tätig ist und so Brancheninformationen beisteuern kann. Dennoch bleibt die Suche nach Adressen rund um die Welt und deren Verifizierung ein mühsames Unterfangen.

1999 erscheint die erste Ausgabe des Adressbuch des internationalen Handels mit Naturdärmen im Karsten Büttner Verlag. Die Internet-Euphorie hat auch die großen Naturdarmhändler erfasst. Wer was auf sich hält, hat eine Website. Mehr als 60% der Firmen haben immerhin schon eine E-Mailadresse. Nicht immer wird diese jedoch aktiv genutzt. Noch ist das Internet vergleichsweise langsam und längst sind nicht alle Quellen von Verbänden, Kammern und Unternehmen verfügbar. Fax und Brief sind neben dem Telefon noch immer die wichtigsten Kommunikationsmittel, um für die neue Ausgabe zu recherchieren.

Dauerten die Vorarbeiten für die Ausgabe 1999 noch rund 13 Monate, so verkürzte sich dieser Prozess im Laufe der Jahre auf sieben Monate. Innerhalb von 10 Jahren wird die Website auch im Naturdarmhandel zu einem weit verbreiteten Mittel, auf sich aufmerksam zu machen.

Von Anfang an ist auch der Karsten Büttner Verlag mit einer Website dabei und blickt jetzt auf die fünfte Website-Generation.

2017 wird aus dem gedruckten Adressbuch ein Portal, das neben der Adressrecherche nach Naturdarmhändlern auch Schlachtnebenprodukte sowie Wursthersteller bereitstellt. Ein Magazin gibt zum ersten Mal der Branche ein eigenes Forum.