Russischer Markt: Erhebliche Steigerung der Schweinefleisch-Kapazitäten bis 2020

4 Big Player investieren in den Export

Nachdem in Folge der Krim-Annektion die Europäische Union einen Import-Boykott russischer Waren beschlossen hatte, verhängte Russland ebenso einen Embargo für EU-Waren. So sank  der Import von Schweinefleisch von 26% im Jahr 2013 innerhalb von drei Jahren auf 8%. Zwischenzeitlich konnte das fehlende Schweinefleisch-Angebot von Brasilien gedeckt werden. Nun aber wollen die Big Player Russlands ihre Kapazitäten weit über das Maß der Eigenversorgung ausbauen.

Russland strebt Eigenversorgung bei Fleischprodukten an

Nach Jahren des Mangels hat Russland aus der Not eine Tugend gemacht und baut die Kapazitäten der eigenen Schweineproduktion aus. Allerdings muss vielerorts noch an der Qualität gefeilt werden. Nach einer Studie von Romir, einem russischen Marktforschungsinstitut, sehen 55 – 57% der Bevölkerung eine Qualitätsverschlechterung von Lebensmitteln seit dem EU-Embargo in den Städten. Experten gehen davon aus, dass dieses noch etwas anhalten könnte.

Dazu kommt, dass man 2016 an den Folgen der afrikanischen Schweinepest zu kämpfen hatte. Allein im Oktober mussten in einer Großanlage der Cherkizovo-Gruppe 15.000 Schweine und in einem Betrieb in Krasnodar 17.000 Schweine gekeult werden.

Russland will vom Wachstum des chinesischen Marktes profitieren

Doch perspektivisch setzt Russland insbesondere bei seiner Schweinezucht auf Exportkapazitäten, was vom russischen Landwirtschaftsministerium unterstützt wird. Mit einer Gesamtsteigerung von 21%  soll bis spätestens 2020 der heimische Markt mit Schweinefleisch vollständig abgedeckt werden. Die Unternehmensgruppe Cherkizovo geht davon aus, dass 2016 der Selbstversorgungsgrad mit Schweinefleisch bereits bei 90% und mit Rindfleisch bei 80% liegt.

Big Player der Branche wie die Unternehmensgruppen Rusagro, Mercy Trade Development, Cherkizovo und Miratorg wollen ihre Kapazitäten in den nächsten vier Jahren verdoppeln oder verdreifachen.

Miratorg, die 2015 rund 330.000 Tonnen Schweinefleisch produzierten, werden 2016 auf etwa 500.000 Tonnen kommen. Bis 2020 sollen es 1 Millionen Tonnen sein, wovon 40% für den chinesischen Markt bestimmt sein werden.

Die Cherkizovo-Gruppe, einer der führenden Geflügelproduzenten Russlands, investiert bis 2018 in eine Verdopplung seiner Schweinefleisch-Kapazitäten auf 350.000 Tonnen pro Jahr. Allein die von der Gruppe geplante Kashira-Fabrik im Moskauer Umland will mit 80 Tonnen pro Tag nicht nur die größte in Europa sein, sondern durch seine nahezu komplette Automatisierung Maßstäbe für die gesamte Fleischbranche setzen.

Rusagro will über 570 Millionen Euro in 10 Schweinefarmen mit 700.000 Schweinen bis 2017 investieren. Mit dem Aufbau einer kompletten Infrastruktur von Futtermittelproduktion, Aufzucht über Schlachtung bis Verarbeitung in der Region Primorje (Primorski krai) soll ebenfalls in den nahen chinesischen Markt exportiert werden.

Einhergehend mit dieser Entwicklung wird auch die Schweinedarmproduktion steigen. Hier wird sich zeigen, ob diese ausschließlich auf den heimischen Markt kommen werden oder neue Exportkapazitäten entstehen.

Klare Signale: Offen für Technologie, aber keine Schweinefleisch-Importe

Russland sendet im Zuge dieser Entwicklung klare Signale ins Ausland: man sei offen für Technologie-Transfers, aber nicht mehr für Fleischimporte.

Foto: fotolia, countrypixel; Cherkizovo-Gruppe